Auf der Suche nach dem richtigen Ernährungsstil

Fast jährlich taucht ein neues unverzichtbare Superfoods auf, Entgiftungssäfte (Detox), im Netz und Medien wird über verseuchten Fisch, ungesunde Äpfel und vieles mehr berichtet.  Neuerdings gibt es das Intervallfasten. Was bleibt ist eine große Verunsicherung, für die, die all das lesen. Dem gegenüber stehen Fastfood und Fertiggerichte, die sich trotz Warnung großer Beliebtheit erfreuen. Insgesamt ist eine sind zunehmenden Entfremdung von natürlicher Ernährung zu beobachten.

 

Ernährung historische Betrachtung

Gerne werden der Steinzeitmensch bzw. der Bauer des Mittelalters zur Begründung für „die einzig richtige“ Ernährungsweise herangezogen. Für Steinzeitmenschen gibt es keine eindeutigen Überlieferungen, bestenfalls Ausgrabungen oder Skelette, die Hinweise auf die damalige Lebensweise geben. Aus der Zeit der frühen Bauernschaft gibt es schriftliche Überlieferungen. von der Ernährungsweise.

Der Steinzeitmensch ernährte sich von dem, was die Natur anbot. Auf dem Speiseplan standen Tiere, Fische, Früchte, Nüsse, Blatt- und Wurzelgemüse aber auch mal ein Vogelei. Diese Ernährung ist selbst aus heutiger Sicht ein guter Mix aus Fetten, Proteinen, Kohlenhydraten und Ballaststoffen. Milch und Getreide gab es zu dieser Zeit nicht. Gefastet wurde nur, wenn es nichts gefangen und gesammelt werden konnte.

Im Mittelalter war die Ernährung abhängig vom Stand der Person. Die Bauern aßen hauptsächlich vegane Eintöpfe, Obst, Gemüse, Getreide wie Gerste, Hafer, Hülsenfrüchte, Kräuter, Käse und Milch von Ziegen und Schafen. Fleisch kam hauptsächlich von Schweinen und war ein Festtagsessen. Auch im Mittelalter wurde eher unfreiwillig durch kriegs-, wetter- oder jahreszeitlich bedingte Nahrungsengpässe oder wegen einer Erkrankung gefastet.

 

Ernährung heute

Ein zunehmendes Ernährungsbewusstsein entwickelt sich seit etwa 30 Jahre. Eiweißreiche Ernährung ist verbreitet in Fitnessstudios und bei Figurbewussten. Vorbild sind die Steinzeitmenschen. Der Gegentrend sind die Veganer, die tierische Eiweiße und Fette ablehnen. Wer sich dafür entscheidet, tut das häufig aus ethischen Gründen gegenüber Tieren oder weil sie tierische Proteine und Fette für schädlich halten. Neu ist die Gluten-Diät ohne Nachweis einer Glutenunverträglichkeit.

Jeder Trend hat auch seine Gurus, die Kochbüchern schreiben, Podcast auf den Markt bringen oder Fernsehshows füllen. Natürlich verteidigen sie die Richtigkeit ihrer Methode geschickt und wortreich.

 

Von allem ein bisschen

Diese Weisheit unserer Urgroßeltern gilt auch heute noch. Jeder Mensch hat eine andere Verdauung, einen anderen Lebensstil, verstoffwechselt anders. Daher kann es gar nicht die-eine-richtige-Methode für alle geben. Normalerweise meldet unser Körper uns, wenn wir etwas nicht vertragen und ein Nahrungsmittel unbekömmlich für uns ist. Entstehen wiederholt Symptome wie häufige Durchfälle, Blähbauch oder Bauchschmerzen, kann über sogenannte „Such-Therapien“ herausgefunden werden, was nicht vertragen wird. Weglassen der Lebensmittel hilft oft, dass der Körper sich wieder reguliert.

Unumstritten ist mittlerweile, dass Lebensmittel, die stark industriell bearbeitet wurden, Zusatzstoffe enthalten. Einseitige, hochgezüchtet Obst- und Gemüsesorten enthalten nicht mehr die Enzyme, Vitamine oder Spurenelemente wie sogenannte „alte Sorten“. Deshalb ist kaufen auf Hersteller und selber kochen noch immer die beste Variante.

Rohkost

Rohe Lebensmittel sind schwerer verdaulich als gekochte und aus diesem Grund, nicht für jeden verträglich besonders am Abend. Der Vorteil der Rohkost ist, dass Vitamine und Enzyme nicht zerkocht werden. Wer aber unter Blährungen, Völlegefühl leidet kann zu den Menschen gehören, die Rohkost nicht wirklich vertragen. Dann sollte Gemüse und eventuell auch das Obst kurz gedämpft werden.

Vollwertkost

Die Vollwertkost ist abwechslungsreich, setzt auf möglichst wenig bearbeitet Lebensmittel. Fettarme Milchprodukte werden nicht verwendet, Schlagsahne ist der Milch vorzuziehen. Rohkost gehört mit zur Vollwertküche.

Fette und Eiweiße

Fett mach nicht fett. Wir brauchen Fett um gesund zu bleiben. Zu viele tierische Fette können zu ungünstigen Cholesterinwerten führen und stellen dann eine Gefahr für unser Herz-Kreislaufsystem dar. Tierische Eiweiße werden aber von manchen Menschen nicht mehr vertragen. Grund ist oft, die unnatürliche Haltung der Tiere. Kühe, die auf der Weide standen haben anderes Fleisch und geben andere Milch als Kühe, die im Stall mit Soja gefüttert wurden Tierische Fette und Eiweiße können leichter aufgespalten werden und stehen unserem Organismus schneller zur Verfügung. Pflanzliche Fette und Eiweiße hingegen sind gesünder. Wir brauchen aber normalerweise beides. Von einer stark eiweißhaltigen Ernährung ist abzuraten, wenn eine Nierenerkrankung vorliegt.

Fisch

Leider ist Fisch mittlerweile stark belastet von der zunehmenden Verseuchung der Gewässer mit Schwermetallen und Mikroplastik. Für Verbraucher gibt es eine gute Informationsseite zum Thema Fisch von Greenpeace. www.greenpeace.de/fischratgeber

Fleisch

Fleisch gehört seit Anbeginn der Menschheit zur natürlichen Ernährung. Massentierhaltung ist ein Produkt unserer Zivilsation. Wer darauf achtet, dass das Fleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung stammt, kann guten Gewissens ein bis zweimal wöchentlich Fleisch genießen. Im Brandenburg gibt es zahlreiche Geflügelhöfe, die auf Märkten Ihre Hühner, Enten und Gänsen verkaufen. Das Wollschwein sollte dem Mastschwein vorgezogen werden. Wollschweine sind eine der ältesten, noch rein erhaltenen Schweinerassen, wurden und werden nicht gemästet. Bis ein Stück Fleisch vom Wollschwein auf unserem Teller landet, vergeht ungefähr doppelt so viel Zeit wie beim Mastschwein. Rind- und Kalbsfleisch von Weidetieren stammt von glücklichen und gesünderen Tieren. Das Fleisch sollte nur von Tieren stammen, die nicht lebendig transportiert wurden.

Getreide

Getreideanbau gibt es erst seit Beginn der Landwirtschaft. In Deutschland ist kaum noch natürliches Getreide zu finden. Täglicher Getreidegenuss steht aber nichts im Wege, wenn es möglichst natürlich hergestellt wurde und keine nachgewiesene Erkrankung besteht.

Ob Sie Vollkorngetreide oder Weißmehlprodukte essen, hängt von ihrer Darmgesundheit ab. Wer Divertikel oder Darmverengungen hat, sollte keine/wenig Vollkornprodukte essen

Zucker, Honig, Fruktose, Süßstoffe

Hier ist sparsamer Verbrauch oder Verzicht wirklich angesagt. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass brauner Zucker besser  ist als weißer Zucker. Lediglich der unraffinierte Rohrohrzucker ist etwas empfehlenswert. Kaltgeschleuderter Honig enthält entzündungshemmende Enzyme und hat eine leicht antibiotische Wirkung. Aus ökologischen Gründen ist ein regionaler Honig zu bevorzugen.

Getränke

Im Alltag sollten nur ungesüßte Getränke konsumiert werden. Kaffee ist besser als sein Ruf.

Fastfood und Fertigprodukte

Auch Fastfood und Fertigprodukte erfreuen sich ungebremst großer Beliebtheit trotz aller Warnungen. Grund für die schnellen Mahlzeiten ist oft fehlende Zeit, unregelmäßige Arbeitszeiten oder Doppelbelastungen und Erschöpfung sind.

Fasten

Hier gibt es einen neuen Trend; das Intervallfasten (auch intermittierendes oder 16 : 8 Fasten genannt). Intervallfasten kann für den Hausgebrauch empfohlen werden. Die Wirkung des Fasten auf Zivilisationskrankheiten wurde von Prof. Michaelsen in einer Studie ausgewertet und ist zum Beispiel auf der Webseite der Carstens-Stiftung zu finden https://www.carstens-stiftung.de/artikel/prof-andreas-michalsen-ueber-das-fasten-und-seine-wirkung.html

Andere Fasten-Methoden sollten Sie mit einem Arzt, Ernährungsberater oder Heilpraktiker besprechen.

Fazit

Wenn Sie Ihr Essen aus Lebensmitteln bereiten, die natürlich gereift oder aufgewachsen sind, Geschmacksverstärker, Zucker und Alkohol sparsam gebrauchen oder ganz weglassen, haben Sie schon viel Gutes für sich getan. Seien Sie nicht zu streng mit sich, ein leckeres Mahl ist gut für die Seele und eine gesunde Seele Voraussetzung für einen gesunden Körper.